Am 25. Oktober 2008 konzertierte Leonard Cohen in Zürich, im Hallenstadion. Dass das Konzert großartige war, vokal wie instrumental lebendig und trotz der melancholischen Grundstimmung vieler Songs farben- und hoffnungsfroh, das sei hier lediglich angetippt; die Konzertkritiken in der Presse sprachen da schon erfreulichen Klartext. Und man war ja “vorgewarnt” vom Konzert am Jazzfestival Montreux im Juli, wie im Tages Anzeiger zu lesen war – schon damals völlig zu Recht, wie mir ein begeisterter Freund bestätigte, der als Journalist dabei war. Was mich umtreibt, ist etwas anderes: der Funke, der zwischen Publikum und Vortragenden springt oder eben nicht. Wer einmal auf einer Bühne oder sonst vor Publikum gestanden oder gesessen hat und erlebt hat, dass er springt, weiß, wie herrlich das ist. Sinnlich, durchaus auch erotisch, aber nicht nur, lauernde Aigem und Ohren schauen und lauschen einem entgegen, man ist in ihnen besser aufgehoben und fühlt sich zuverlässiger geborgen als auf dem kuscheligsten Sofa zu zweit oder allein. Man kann leicht gierig danach werden und dieser Gier verfallen. Doch Begehren, Leidenschaft, Passion, versengt oft nicht nur ihre Ursache und ihr Ziel, sondern auch sich selber. Eben noch lodernde Flamme schwelen nur noch oder erkaltet im Züngeln, meist bevor sie Veränderungen in ihrem Temperament wahrhaben können, dann wollen, und auf der Bühne straft mitunter gerade Versierte, technisch wie gestalterisch Routinierte Routine im Empfinden, Routine im Schon-wieder-Erleben.

Bei Leonard Cohen, der ja immer wieder lange Jahre auf keiner Bühne stand, schien erstens der Funke sofort, beim eröffnenden Dance Me To The End Of Love gesprungen zu sein und zweitens waren der Vierundsiebzigjährige und seine Begleitmusiker und -sängerinnen erfrischend empfindungs-unrutiniert. Sie dankten der Begeisterung des Publikums, dieses dankte begeistert zurück, ein ungleiches zwar, aber eines, das dem singenden Dichter glauben darf, wenn er sich für den denkwürdigen Abend bedankt. Selbst wenn alle seine Konzertabende memorable sein sollten – bloße Show, bloße galante Schmeichelei ist ein solcher Abschied nach fast zweidreiviertelstündiger Darbietung mit vielen Zugaben nicht. Beides hat dieser junge alte Mann nicht nötig, um zu überzeugen, um in Erinnerung zu bleiben, um stets wieder neu lebhaft begleitende Erinnerung zu werden. Ein Ereignis, ein Konzertereignis mehr. Ein nicht allzu häufiges.